Ein riesiger silberfarbener Löffel liegt in einem Springbrunnen und verwandelt diesen in einen Suppenteller.
Mit dieser surreal anmutenden Installation erinnert Annette Leyener an ein Erlebnis mit ihrem alten Vater. Obwohl dieser in jungen Jahren der gesamten Familie stets den Weg gewiesen hat, konnte er als alter Mann nicht alleine essen. […]
In einem starken Bild, das zugleich eine Intervention in die Gegebenheiten des Parks ist, eröffnet Annette Leyener eine Vielzahl an Perspektiven. Als Symbol von Leben und Tod kommt der Löffel in zahlreichen Redewendungen und in Märchen vor. Doch seine Größe und im Verbunden mit dem Brunnen wird er zum Erinnerungsmoment. Der Hunger gehört zur deutschen Geschichte, wie er zur Lebensgeschichte des Vaters gehört. Doch in diesem Kontext erinnert der Löffel mitten im Park auch an das enge Verhältnis von Mensch und Natur, denn unsere Nahrung kommt von dort und wenn das ökologische Gleichgewicht gestört ist entsteht Hunger - wie in zahlreichen Regionen der Welt auch heute noch …
…die temporäre Installation lässt eine Wortlinie entstehen, deren folgerichtige Abwechslung nur sichtbar ist, wenn der Betrachter einen bestimmten Standpunkt einnimmt. […]
Tatsächlich verweist diese Arbeit auf die religiös geprägten Gegensatzpaare von Hell und Dunkel beziehungsweise Gut und Böse, die unsere westliche Kultur prägen. Alles hat seine Ordnung, solange klar ist, wo oben und unten ist. […]
In dieser Arbeit ist es so unordentlich wie die Bäume gewachsen sind, Ordnung ist relativ, denn sie kommt auf den Standpunkt an. Mit einfachen Mitteln und Mut zur Flüchtigkeit inszeniert die Künstlerin ein humorvolles Lehrstück über Ordnung, Gestaltspielraum und die Notwendigkeit offener kultureller Räume.
[…] das Riesenohr am Baum kann in zwei Richtungen gelesen werden. Zusammen mit dem Titel ist es eine Ermahnung, die Eigengesetzlichkeit und die Schutzbedürftigkeit der Natur wahrzunehmen und das Missverständnis auszuräumen, dass sie uns „untertan“ sei. „gottbewahre“ ist ein Appell, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen, auch wenn sie nicht in unserer Sprache mit uns spricht – wir also nichts hören können. Es ist aber auch die Erinnerung daran, dass Natur immer da ist. Dass sie wahrnimmt, was wir tun und möglicherweise nicht verzeiht, wenn wir uns gegen sie stellen…
In Annette Leyeners Mobile finden eine überdimensionierte Hand und eine Holzlatte – durch den Wind bewegt – immer neue Konstellationen zueinander. In einer einladenden und zugleich bittenden Geste steht die Hand für den Menschen und seine Fähigkeit Beziehungen aufzubauen und das Gemeinwohl zu gestalten. Sie ist aber auch ein hochkomplexes Tast- und Greiforgan, das die Menschwerdung vorangetrieben hat und sowohl Musikinstrumente als auch Waffen betätigen kann […].
[…] Jeweils sieben Radkappen unterschiedlichster Fabrikate hat die Künstlerin als Paar zusammengelegt und zu beiden Seiten eines hohen Stammes im Schlosspark montiert. Was auf den ersten Blick wie eine dekorative Schmuckinstallation wirkt, entfaltet auf den zweiten Blick seinen Tiefsinn.
Diesen Ansatz erleben wir immer wieder in den Arbeiten der Künstlerin im öffentlichen Raum, mit Humor oder Schönheit lädt sie die Betrachterinnen und Betrachter ein, sich mit dem Werk auseinanderzusetzen, um dann im zweiten Schritt ihren oft politischen Aktivismus zu vermitteln. – Auch wenn der ADAC sich von seinem Slogan freie Fahrt für freie Bürger verabschiedet hat, mit dem er während der Ölkrise seine Kampagne gegen Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen geführt hat; der Zusammenhang zwischen erlebter Freiheit und individueller Mobilität löst sich in den Köpfen der Menschen nur langsam auf. […]
Mit böser Ironie betrachtet die Künstlerin den Wunsch der Menschen nach Freiheit und Abenteuer. Wer im Rennen um den CO2-Ausstoß die Pole Position einnimmt, verliert – so einfach und radikal ist die Aussage dieser Installation.
Die Künstlerin nennt ihre Installation „Mandala“ – und tatsächlich erinnert sie an die Meditationsbilder der Buddhisten. Durch Konzentration auf das ausgewogeneSchaubild, das keine Geschichte erzählt, sondern immer wieder nur aufsich selbst verweist, gelangen Mönche zur Erkenntnis. In dieser Formdes ungerichteten Denkens begegnen die Meditierenden sich selbst, sowie die Reflektoren nur das Licht zurückspiegeln, das ihre Fläche trifft.
Nach asiatischen Glaubensvorstellungen verkörpert ein Mandala das ge-samte Universum. Die Zwiesprache zwischen der installierten Lichtquelleund dem Mandala ist auch ein banales Gespräch, das mit Witz ins Leereläuft. Denn hier spricht eine Lichtquelle mit sich selbst. So wie sie nurdas sieht, was sie selber vorgibt ist auch die menschliche Wahrnehmungbeschränkt. Auch wenn wir glauben Dinge existieren nur, wenn wir siesehen – wissen wir doch, dass es außerhalb der menschlichen Wahr-nehmung unbekannte Welten gibt. Während das Objekt bei Tag ruht, er-wacht es nachts zu einem Kampf um die Aufmerksamkeit der Betrachter.Obwohl dieser keine Informationen erhält, fesselt ihn das Spektakel wieeine Werbebotschaft.
Damit eröffnet die Künstlerin zwei Alternativen: sich dem Leuchten kopflos auszuliefern, wie dem Datenwust des Internets oder ihn als Ausgangspunkt für eine Reflexion über das eigene Sein zu nutzen. Anders als in unserem dualistischen Weltbild, sind Himmel, Erde und die Unterwelt in einem komplexen Gesamtbild gleichwertig und nicht hierarchisch behandelt, wie im traditionellen westlichen Weltbild. Doch Annette Leyener würde nicht die profanen Kunststoffreflektoren von Lkws verwenden, wenn sie uns nur in asiatisches Denken einführen würde.
Mit Hilfe eines Markierwagens, weißer Rügener Kreide und einem GPS-gestützten Orientierungspfad entstand eine mathematische Kreislinie (Rundgang, Pilgerweg, Schleichpfad) im Kontrast zur Parklandschaft. Der Umfang betrug 1,6 km, es ging über Stock und Stein, Feld und Parkplatz, Wald und Wiese. Besucher konnten der Kreislinie folgen und an einer perfekten Kreisbewegung im Raum und damit verbundenen assoziativen Denkräumen teilnehmen.
In der griechischen Antike philosophierte man darüber, ob jedem Menschen von den Göttern ein eigenständigen Berater, ein „Daimonion“ zur Seite gestellt sei, welcher unsichtbar, wie eine innere Stimme wahrnehmbar ist.
Sokrates vertrat die Vorstellung, der Mensch müssen mit seinem Daimonion leben, er sei ihm durch göttliche Mächte zugewiesen. Platon hingegen meinte, der Mensch wähle sich seinen Daimonion selbst.
Aktuelle Fragestellungen dazu bringen die Willensfreiheit oder die Frage nach einem souveränen ICH ins Spiel, und damit auch die Frage nach der Eigenverantwortung des Menschen für sein Handeln.
Das Original ist im archäologisches Museum Iraklion zu finden, es ist handgroß.